Berenike S. zwischen Wattwanderungen und Vogelbeobachtungen

Berenike auf Langeness

"Am 8. Oktober bin ich, Berenike Silge, mit dem Zug zu meiner Schwester nach Langeneß gereist. Langeneß ist eine Hallig südlich von Föhr in der Nordsee. Ich bin 10 Stunden lang Bahn, Bus, Fähre und Fahrrad gefahren und bin um etwa halb neun abends auf der Peterswarft angekommen, also der Erhöhung auf der die Wattenmeer-Schutzstation gebaut ist, auf der meine Schwester ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. Auf der zweistündigen Fährüberfahrt konnte ich einen schönen Sonnenuntergang beobachten.

Am nächsten Morgen sind wir um sieben Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang anzuschauen, während wir frühstückten und uns anschließend auf die Wattwanderung am Morgen vorzubereiten. Ich habe vieles über Muscheln, Schnecken, Würmer und den gesamten Watt-Mechanismus gelernt. Und Gänse. Auf Langeneß rasten sehr viele Gänse. Davon sind allein 20000 Stück Ringelgänse, was eine zwischenzeitlich sehr gefährdete Art war. Die Zugvögel rasten sehr gerne im Wattenmeer, da es dort viel zu fressen gibt und sie so für ihren weiten Weg gut vorsorgen können.

Nachmittags sind wir zur Oland-Führung mit einer Lohre, das ist eine kleine Bahn, mit der man von Langeneß über einen Damm nach Oland und zurück fahren kann. Meine Schwester hat den Führungsteilnehmern über die Sturmflut erzählt und wie die Halligbewohner früher an Süßwasser gelangten, da Halligen keine Süßwasserquellen haben. Sie legten einen Fething, eine Viehzugängliche Kuhle an, in der sich das Regenwasser sammelt. 1964 wurden Langeneß und Oland schließlich an Wasserleitungen angeschlossen. 1962 war eine sehr starke Sturmflut. Es gab große Sachschäden und da beinahe Menschen ums Leben gekommen wären, wurden Schutzräume entwickelt. Das sind Räume mit verstärkten Wänden, die tief im Boden verankert und Orkansicher sind. Wenn es also zu einer Sturmflut kommen sollte und das Wasser über die Warfthänge steigen und das Haus angreifen sollte, bleibt dieser Raum stehen.

Berenike auf Langeness

Am nächsten Morgen war wieder eine Wattwanderung und Nachmittags eine Vogelführung. Mit der Gruppe haben wir uns zum Lohrendamm begeben und von dort aus Vögel bestaunt und über ihre Angepasstheiten an das Wattenmeer gelernt. Beispielsweise der Schnabel des Großen Brachvogel ist so gebogen, dass dieser sehr gut dem Wattwurm aus seinem gebogenen Tunnel ziehen kann.

Am letzten Morgen haben wir wieder eine Wattwanderung gemacht und hatten im Anschluss einen entspannten letzten Tag. Allerdings musste ich am Dienstagmorgen, dem 12. Oktober um 6 Uhr morgens zur Fähre aufbrechen und wurde auf meinem Rückweg mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt."